Freitag, 15. Juni 2007

Mit Würstchen zur Erleuchtung

Unser Hotel in Qingdao bot ein internationales Frühstück. Neben Brötchen gab es Würstchen, Spiegelei, Sushi und jede Menge chinesische Gerichte. Ich hatte mich für die typisch chinesische Reissuppe und zwei Dampfknödel mit Fleischfüllung entschieden, da sah ich neben mir einen buddhistischen Mönch mit Glatze und orangem Umhang, der sich ein Würstchen nach dem anderen in den Mund schob. Das brachte mich etwas ins Grübeln: Wie kann sich ein buddhistischer Mönch ein 4-Sterne-Hotel leisten? Und wollte Buddha, als es in der Abgeschiedenheit zur Erleuchtung gelangte, dass sich seine Glaubensbrüder eines Tages am internationalen Frühstücksbuffet haufenweise Würstchen reinpfeifen? Nachdem ich mit diesen ur-theologischen Fragen kein Stück weitergekommen war, sah ich Sanae an, die gerade die Papierverpackung von ihrer Dampfnudel abknibbelte. Zu spät! Ich hatte bereits gedankenverloren meine beiden Dampfnudeln mitsamt der Papierverpackung aufgegessen. Angesichts der Lebensmittelskandale, die in China zur Zeit aufgedeckt werden, könnte die Verpackung aber eine der gesündesten Zutaten gewesen sein, die ich während der Tage in China gegessen habe.

Am Abend des zweiten Tages sind wir zum Hafen gefahren, um mit der Fähre nach Korea überzusetzen. Im Hafengebäude warteten schon Dutzende Händler mit unzähligen riesigen Pappkartons, die sie als "Handgepäck" mitnahmen, um den Inhalt in Korea teuer zu verkaufen.

Hafen von Qingdao
Hafengebäude von Qingdao

Die Überfahrt war sehr angenehm. Der Sturm vom Vortag war vorbei und die See wieder glatt. Im Restaurant haben wir gebratenes Rindfleisch und Kimchi gegessen - zwei Gerichte, die in den kommenden Tagen noch öfter auf unseren Tellern landen sollten. Danach haben wir uns ein wenig an den chinesischen TV-Sendern erfreut, die wie jeden Tag während unseres China-Aufenthaltes, irgendwelche schrägen Kungfu-Filme zeigten. Am nächsten Morgen waren wir in Korea.

Schiff nach Korea
Fährkabine auf der Überfahrt von Qingdao nach Incheon in Korea

German Gemütlichkeit

Qingdao war zwischen 1897 und 1914 deutsches "Schutzgebiet" (sagt Wikipedia). Aus dieser Zeit sind noch einige Gebäude erhalten - etwa die Kirche. Als wir dort ankamen, posierten gerade chinesische Brautpaare in Smoking und weißem Brautkleid für das Hochzeitsfoto.

Kirche von Qingdao
Kirche von Qingdao

Brautpaar in Qingdao
Brautpaare vor der Kirche

Haus in Qingdao
Deutsche Relikte in Qingdao

Donnerstag, 14. Juni 2007

Endlich Sauerstoff

Während der Woche in Peking war die Luft unglaublich schlecht. Wir hatten die ganze Zeit das Gefühl, eine zähflüssige Masse einzuatmen. Zusammen mit der Hitze hat das sehr viel Kraft gekostet und wir waren froh als wir in Qingdao endlich wieder richtig durchatmen konnten.

Abteil im Nachtzug zwischen Peking und Qingdao
Nachtzug von Peking nach Qingdao

Qingdao liegt am gelben Meer und ist eine wohlhabende Küstenstadt mit schönen Stränden, Porsche-Händler und europäischen Designer-Geschäften.

Qingdao
Qingdao

Strand von Qingdao
Strand von Qingdao

Mittwoch, 13. Juni 2007

Der Chinese als Solcher

Taxifahren macht in Peking großen Spaß - vorausgesetzt man hat mit seinem Leben bereits abgeschlossen. Die Taxifahrer fahren nicht wirklich schnell, stoßen aber gnadenlos in jede sich bietende Lücke und hupen alle 20 Sekunden völlig grundlos, dafür jedoch umso leidenschaftlicher. Radfahrer und Fußgänger werden komplett ignoriert. Unzählige Male dachte ich, dass es jetzt um den Radfahrer vor uns geschehen sei. Irgendwie sind sich dann aber alle in letzter Sekunde aus dem Weg gegangen. Das Ganze ist wohl ein reibungslos funktionierendes Chaos - so wie der Verkehr in italienischen Großstädten.

Straße in Peking
Peking

Auch sonst haben es Chinesen anscheinend immer eilig. In großen Menschenmassen drängeln alle ständig vor - selbst alte Chinesen. In einem Moment schlurfen sie noch gebrechlich über die Straße. Doch kaum sind sie in der Schlange angekommen, rammen sie einem den knochigen Ellbogen in die Rippen und huschen wieselflink in die frei werdenden 20 Zentimeter.

Am Bahnhof von Peking mußte ich ungefähr 10 Sekunden in der Tasche nach meinem Ticket suchen. Daher konnten die rund 100 Chinesen hinter mir nicht durch die Ticketkontrolle. Nach 3 Sekunden wurden aus der Menge die ersten Verwünschungen laut, obwohl der Zug erst eine halbe Stunde später abfuhr.

Ansonsten waren die Chinesen aber unheimlich freundlich, haben uns ständig fröhlich angelächelt und uns sehr höflich behandelt. Kein einziger Taxifahrer hat uns betrogen, obwohl wir vor unserer Abreise viel von den betrügerischen Taxifahrern gehört hatten.

Verbotene Stadt
Die Verbotene Stadt

Wegen der "Pooh-Affäre" konnten wir leider nicht zur großen Mauer. Gesehen haben wir den Himmelstempel, die Verbotene Stadt und ein lama-buddhistisches Kloster. Letzteres hat mir am besten gefallen. Das Kloster bestand aus fünf bunt verzierten Gebetsräumen und hatte als größte Attraktion eine 18 Meter hohe Buddha-Statue. Die Statue durfte man leider nicht fotografieren. Davor kniete eine füllige Amerikanerin und fuchtelte mit den Armen, was sie offenbar für Beten hielt. Wahrscheinlich hatte sie in der amerikanischen "Brigitte" gelesen, dass Buddhismus jetzt in ist. Neben ihr stand der Ehemann mit Baseballmütze, Shorts und weißen Turnschuhen und blickte ungeduldig und leicht spöttisch auf den Esoterikanfall seiner Frau.

buddhistisches Kloster
Buddhistisches Kloster

Vor den Gebetsräumen konnte man Räucherstäbchen anzünden, während der Betens kurz schwenken und dann in eine Tonne werfen. Eine Chinesin war mit diesem Ritual offenbar nicht sehr vertraut. Nachdem sie die Räucherstäbchen angezündet hatte gerieten die recht heftig in Brand. Nun stand die Gute da, mit einem Bündel brennender Stäbchen, schüttelte das Ganze wie wild, wodurch das Feuer noch größer wurde und rannte dann voller Panik und in letzer Sekunde zur Metalltonne, um sich der Feuersbrunst zu entledigen. Vermutlich wird sie das auf dem nächsten Parteitag der Kommunisten als Beispiel anbringen, wie gefährlich Religion sein kann.

Betende im buddhistischen Kloster
Betende im Kloster

Telefonzelle im Kloster
Lama-Buddhistische Telefonzelle

Little Hospital has no pooh

Am ersten Abend in Peking war ich müde und hatte keinen Hunger. In der Nacht bekam ich dann Magenprobleme, die auch am nächsten Tag anhielten. Weil ich so schnell wie möglich wieder auf den Beinen sein wollte, entschied ich mich für einen Krankenhausbesuch. Das Krankenhaus war nur ein paar hundert Meter entfernt von unserem Hotel und zählte zu den besten in Peking. Mit internationalen Standards konnte es jedenfalls locker mithalten.

Nachdem ich am Empfang in englischer Sprache meine Probleme beschrieben hatte, sagte die Krankenschwester, es sei gerade Saison - was sie damit meinte, weiß ich nicht. Jedenfalls wollte sie gerne eine Probe von äh, von äh, nun kam sie etwas in Stottern, dann strahlte sie mich glückstrunken an: pooh! We need your pooh. Your pooh! Das wiederholte sie immer wieder und immer eindringlicher. Gott sei dank kam die Ärztin. Ich erzählte die ganze Geschichte von vorne und die Ärztin schrieb alles genau in ein kleines Heft, das aussah wie die Schreibhefte in der Grundschule. Nach der Untersuchung habe ich das Heft überreicht bekommen und bin daher nun stolzer Besitzer einer chinesischen Krankenakte.

Zuvor wurde noch mein Blut untersucht. Die Ergebnisse lagen nach 10 Minuten vor, was mich sehr beeindruckt hat. Die Ärztin war ihrerseits sehr von meiner riesigen Menge an mitgebrachten deutschen Medikamenten beeindruckt und nannte mich ein "Little Hospital". Die Blutwerte zeigten, dass ich eine bakterielle Infektion hatte, die ich mir sicherlich im chinesischen Speisewagen eingefangen habe. Zumindest war es nichts Schlimmes. Die Krankenschwester wollte jetzt auch kein pooh mehr, sondern umgerechnet 15 Euro, was ich für die Untersuchung recht günstig fand. Dennoch empfahl sie mir, künftig in ein billigeres Krankenhaus zu gehen. Das habe ich mir aber gespart, weil das Antibiotikum schon am nächsten Tag seine Arbeit vollbracht hatte und es mir deutlich besser ging.

Bahnhof von Peking
Im Bahnhof von Peking

Platz des himmlischen Friedens
Platz der himmlischen Luftverschmutzung

Himmelstempel
Himmelstempel

Schmuggeln: 1, Erdkunde: 6

Im Zug fuhren einige Mongolen mit. Einer war besonders lebending. In blau-weißen Pyjamahosen und ausgelatschten Sandalen marschierte er über jeden Bahnhof und plauderte dabei mit anderen Passagieren. Am zweiten Tag war ich an der Reihe. "Hello, I am from Mongolia", stellte er sich vor und wollte wissen, wo ich herkomme. "Ah, Germany", stellte er routiniert fest, "dann bist also nur zum Urlaub in Europa?" Ich fürchte bei der mongolischen Ausgabe von "Wer wird Millionär?" wird er mit seinen Erdkunde-Kenntnissen schon recht früh scheitern. Dafür hatte er aber andere Talente: Kurz vor der russisch-mongolischen Grenze schleppte er riesige Pakete durch den Zug. Wenige Minuten nachdem wir die Grenze hinter uns gelassen hatten, schleppte er die gleichen Pakete mit einem breiten Grinsen im Gesicht wieder zurück.

Haus in China
Fahrt durch China

Flusstal in China
Flußtal zwischen mongolischer Grenze und Peking

Schlucht in China
Schlucht in China

Am Baikalsee

Zu den schönsten Momenten zählte die Fahrt um den Baikalsee. Wir hatten den Wecker am Abend zuvor auf 7 Uhr gestellt. Am Morgen muste ich nun meine gesamte Disziplin aufwenden, um tatsächlich aufzustehen - aber es hat sich gelohnt: Als ich den Vorhang unseres Abteils hochzog fuhr der Zug einen Berg hinunter, um eine scharfe Kurve und dann lag der See direkt neben uns. Über dem See ging gerade die Sonne auf, an den Ufern schwammen kleine Eisschollen und verzeinzelt ruderten Fischer in kleinen Booten auf den See hinaus.


Sonnenaufgang ueber dem Baikalsee
Sonnenaufgang über dem Baikalsee

Auf der anderen Seite der Gleise standen bunte Holzhäuser hinter denen sich hohe schneebedeckte Berge auftürmten. In den vier Stunden am Baikalsee habe ich ungefähr 100 Bilder gemacht. Die sehen zwar alle gleich aus, aber die Menge zeigt zumindest wie begeistert ich war.

Gebirge am Ufer des Baikalsees
Häuser am Ufer des Baikalsees

Eisschollen auf dem Baikalsee
Eisschollen auf dem Baikalsee

Montag, 11. Juni 2007

Die 2-Dollar-Kekse

Bizarr war der chinesische Grenzort Erlian an der Grenze zur Mongolei. Als wir ankamen war es draußen schon dunkel, aber der gesamte Bahnhof war von Scheinwerfern in helles orangenes Licht getaucht. Es roch unerträglich nach Schwefel und aus den Lautsprechern tönte die chinesischen Nationalhymne. Dann erklang eine Frauenstimme vom Band: "Hello. Welcome to China. How do you do?" Nach dieser sehr persönlichen kleinen Ansprache spielte der DJ "Für Elise", dann Rod Stewards "Sailing" und zum Schluss die Titelmusik von Titanic.

Nachdem die Grenzbeamten die Pässe eingesammelt hatten, stürmten sämtliche Passagiere in den einzigen winzig kleinen Supermarkt im Bahnhof, wo man in sämtlichen Wähnrungen der Welt bezahlen konnten. (Vermutlich wurden selbst die Talermünzen des historischen Weihnachtsmarktes angenommen.) Allerdings tippte die Kassiererin die Beträge nicht in die Kasse, sondern schätzte den Wert. Unsere Chips, die aussahen wie Pringles, aber keine waren, sowie zwei Packungen Kekse wurde mit einem kurzen Blick auf 2 Dollar taxiert.

Dann rasten alle wieder wie vom Affen gebissen zurück in den Zug, der nun eine kleine Ewigkeit lang hin und her rangiert wurde, damit die Räder auf die chinesische Spurbreite umgestellt werden konnten. Während des Rangierens tauchten einige Wagons unseres Zuges plötzlich neben unserem Wagon auf, was besonders diejenigen Passagiere erstaunte, die gerade ins Bett gehen wollten und nun in der Unterhose vor unserem Fenster standen.

Montagehalle an der chinesich-mongolischen Grenzen
Radwechsel an der chinesischen Grenze

Nach dem Rangieren wurde der Zug hochgehoben und neue Räder drunter montiert. An den Wänden der Montagehalle hatte jemand sehr schöne kommunistische Parolen gemalt - etwa: "Arbeitet zusammen zum Wohl des Volkes". Im realsozialistischen China ging es dann aber genau so zu wie auf realsozialmarktwirtschaftlichen deutschen Baustellen: Einer arbeitete und der Rest schaute zu. Nach geschlagenen 6 Stunden war das Prozedere beendet und wir waren froh, aus der schwefelhaltigen Luft rauszukommen.

Transsib-Abteil
Unser Abteil bei Ankunft in Peking

Sonntag, 10. Juni 2007

Diningcar-Brigade stillgestanden

Abends haben wir immer im Speisewagen gegessen. In jedem Land wurde ein neuer Speisewagen angehängt, so dass die Fahrt auch eine Tour durch die Küchen dreier Länder war. Die Russen hatten sich bei ihrem Speisewagen offenbar den Innenarchitekten gespart. Alles war aus Plastik: die Wände, die Tische, die Stühle, die Tischdecke. Dafür waren die Kellnerinnen russisch herzlich. Es gab acht Tische und drei Kellnerinnen, die gemeinsam mit der Köchin die "Diningcar-Brigade" bildeten. Da nur wenige Gäste in den für russische Verhältnisse teuren Speisewagen kamen, saß die "Diningcar-Brigade" meist gelangweilt über vier Tische verteilt rum und las. Unsere Besuche waren daher eine willkommene Abwechslung. Wir haben vom ersten Tag an versucht, ein wenig Russisch zu sprechen, nichts Besonderes, nur "Danke", "Bitte" usw. Das hat aber großen Eindruck hinterlassen - und sich eines Abends ausgezahlt: Wegen der ständigen Zeitverschiebung waren wir erst recht spät in den Speisewagen gegangen. Nach dem Essen wollten wir noch einen Wodka trinken, die Kellnerinnen wollten aber ins Bett. Dank unserer guten deutsch-russischen Beziehungen konnte aber ein Kompromis gefunden werden: Wir bekamen unseren Wodka, während die Kellnerinnen in riesigen Nachthemden, bewaffnet mit Zahnbürsten und Kulturtaschen, um uns herum wuselten, um sich "bettfertig" zu machen.

Das Essen im russischen Speisewagen war zwar sehr fettig, aber durchaus lecker. Neben der unvermeidlichen Soljanka gab es Schnitzel und Lachs.

Der mongolische Speisewagen glänzte dagegen durch seine Innenausstattung. Wände, Tische und Stühle waren mit Holzschnitzereien verziert und an den Wänden hingen Pfleil und Bogen sowie Musikinstrumente aus Holz. Die Bedienung sprach sehr gut Englisch, akzeptierte Dollar und freute sich, dass wir mongolisches Bier probieren wollten. Zu Essen gab es Hammel mit eingelegtem Gemüse. Sehr gut. Und draußen zog die Wüste Gobi vorbei. Sehr schön.

Mongolisches Bier
Mongolisches Bier

Der chinesische Speisewagen war eine Enttäuschung. Alle Reiseführer hatten ihn zum besten auf der Fahrt gekürt. Wir fanden ihn den schlechtesten. Der Wagen war häßlich und das Personal unfreundlich. Zudem war das Essen schlecht - und es sollte noch ein Nachspiel haben. Aber davon später mehr.

Hund
Getarnt als Straßenköter passiert Geheimagent Sergej Nikolajew die chineschischen Sicherheitskräfte

Postcard? No, thanks!

Die Tage auf der Transsib waren sehr entspannend. Schon kurz nach der Abfahrt kehrte eine innere Ruhe ein, weil wir wußten, dass wir jetzt 6 Tage nichts anderes machen konnten als rumsitzen, essen, lesen und schlafen. Seltsamerweise wurde es nie langweilig. Wir sind meist so gegen 9 oder 10 Uhr aufgewacht, haben Tee getrunken und Knäckebrot gegessen, dabei ein wenig aus dem Fenster gesehen und Fotos gemacht. Dann haben wir gelesen, uns unterhalten, Tütensuppen warm gemacht, geduscht, wieder gelesen und am Abend sind wir dann in den Speisewagen gegegangen.

Für die Heizung wird Kohle angeliefert
Kohle für die Heizung

Transsib fährt durch Sibirien
Irgendwo in Sibirien

Zu den täglichen Höhepunkten zählten die Stopps an den Bahnhöfen. Wir sind jedesmal ausgestiegen, um etwas Bewegung zu bekommen. Den schönsten und saubersten Bahnhof hatte Krasnojarsk, wo irgendein Milliardär Gouverneur ist. Eher enttäuschend war dagegen der Bahnhof von Ulan Bator, obwohl wir dort einen regen kulurellen Austausch mit der heimischen Bevölkerung erleben durften. Ich hatte meinen Fuß noch nicht ganz auf dem Banhsteig, da fragte mich schon der erste: "Postcard?" "No, thanks." So ging es weiter. "Postcard?" "No, thanks." "Postcard?" "No, thanks." Wir hätte uns wahrscheinlich noch den ganzen Tag so angeregt unterhalten können, wenn der Zug nicht schon nach einer halben Stunde abgefahren wäre.

Der Bahnhof von Ulan Bator
Ulan Bator

Überhaupt war Ulan Bator eine sehr merkwürdige Stadt. Die Erfindung der Plastiktüte hat Ulan Bator nicht gut getan. Überall flogen Plastikbeutel in allen erdenklichen Farben umher. Wenn man in Ulan Bator mal während seines Einkaufs die Tasche vergessen hat, muss man wahrscheinlich nur auf der Straße den Arm ausstrecken und - zack - hat man schon 3 Plastiktüten in der Hand.
Auch das Stadtbild von Ulan Bator dürfte einzigartig sein. Neben unzähligen sozialistischen Plattenbauten stehen überall verstreut traditionelle Jurten und daneben völlig heruntergekommene Fabriken. Die Fahrt durch das Land hat uns dann aber wieder entschädigt.

Jurten in Ulan Bator
Jurten in Ulan Bator

Transsib fährt durch die Mongolei
Fahrt durch die Mongolei

Samstag, 9. Juni 2007

Transsib in Russland

Leider habe ich gerade wenig Zeit, Beiträge zu schreiben. Daher nur einige Bilder:

Schnee-im-Ural
Schnee im Ural

Verkauf
Einkaufszentrum auf Sibirisch

Ulan-Ude
Mönche in Ulan Ude

Montag, 4. Juni 2007

Kölsche Chinesen

Vor der Abreise nach Peking wollten wir zum Prominenten-Friedhof des Neujungfrauen-Klosters, wo unter anderem Dostojewski und Tschechow begraben sind. Einige Tage zuvor hatte sich zu den toten Prominenten auch Boris Jelzin gesellt. In Russland ist es Sitte, dass sich die Verwandten nach einer Weile am Grab versammeln, um dem Verstorbenen zu gedenken. Jelzins Familie stand nun gerade an dessen Grab, als wir auf dem Friedhof ankamen. Ich hätte nie gdacht, dass ich eines Tages mit der Frau und der Tochter von Boris Jelzin an dessen Grab stehen würde. So spektakuklär war es allerdings nicht. Einige Familienmitglieder sahen denn auch recht gelangweillt aus.

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Danach war es Zeit, unserem Stadtführer Jefgeni "Auf Wiedersehen" zu sagen, um alleine durch Moskau zu gehen. Jefgeni fragte voller Zuversicht: "Habt ihr einen Stadtplan dabei?" Hatten wir nicht. Erstes Entsetzen machte sich auf Jefgenis Gesicht breit. "Habt ihr einen U-Bahn-Plan?" Hatten wir auch nicht. Nun zeigte sich in Jefgenis Gesicht blanke Panik. Wir waren wahrscheinlich die ersten Deutschen, die völlig ohne detailliertes Kartenmaterial gen Osten gefahren waren. Im Geiste sah er uns vermutlich so enden, wie der Held aus "Die Reise nach Petuschki" endete: nach einer langen Irrfahrt mit der Bahn durch die Moskauer Vororte zu Tode gehetzt und geprügelt. Jefgeni malte dann umständlich detaillierte Pläne auf einen winzigen Zettel, schrieb seine Handynummer auf und verabschiedete sich von uns offenbar in großer Sorge, wir wuerden es nie rechtzeitig zum Bahnhof schaffen.

Wir spazierten den Arbat runter, eine Fußgängerzone, die mich in ihrer Heruntergekommenheit eher an eine ostdeutsche Kleinstadt erinnert hat und gingen dann zum Roten Platz, weil wir mal sehen wollten, was da am 1. Mai so los war. Es war nichts los. Oder genauer gesagt: Es waren nur hunderte von Sicherheitskräften los, die den gesamten Platz abgeriegelt hatten. Lediglich ein einsamer Hund humpelte auf drei Beinen Richtung Kreml. Anschließend sind wir ohne Probleme mit der U-Bahn Richtung Hotel gefahren, haben unser Gepäck geholt und sind dann weiter zum Jaroslawer Bahnhof gefahren.

Moskau fand ich rückblickend deutlich entspannter als ich das vorher gedacht habe. Unsicher habe ich mich nie gefühlt. Nur eine Situation war etwas merkwürdig. Vor dem russischen Kriegsdenkmal wurden wir von einem Polizisten angehalten. Jefgeni hat die Sache für uns geklärt. Angeblich suchte der Polizist nach illegalen Chinesen. Angesehen hat er sich aber nur meinen Pass. Den Pass meiner japanischen Frau Sanae hat er keines Blickes gewürdigt. Offenbar sehe ich chinesischen Immigranten ähnlicher als Sanae.

Am Jaroslawer Bahnhof ging dann alles glatt. Ich hatte vorher befürchtet, der Bahnhof sei riesig und wir würden verzweifelt nach dem Gleis suchen. Es gab aber nur 5 Bahnsteige und einen Kiosk. Der Name "Peking" war selbst in kyrillischen Schriftzeichen gut zu entziffern und so konnten wir dann problemlos in die Transmongolische Eisenbahn einsteigen.

Unser erster Eindruck war sehr positiv. Das Abteil war geräumig und sauber, die Betten bequem und der chinesische Zugbegleiter (der mir in keinster Weise ähnlich sah) brachte sofort Bettbezüge und heißes Wasser für Tee. Der positive Eindruck hat uns die gesamten 6 Tage begleitet - so viel kann ich jetzt schon sagen.

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Samstag, 2. Juni 2007

Moskau, Moskau

Am Bahnhof wartete Jefgeni, der uns als Reiseführer zwei Tage Moskau zeigen würde. Jefgeni sah aus wie der junge Mel Brooks und sprach Deutsch mit einem schon fast stereotypen weichen russischen Akzent. Offenbar betreut Jefgeni normalerweise Deutsche, die auf Kosten der Pflegeversicherung nach Russland reisen. Jedenfalls erklaerte er uns detailliert, wie wir unsere Hoteltür aufschließen können, wo der Frühstücksraum im Hotel ist, wann wir essen können usw.. Außerdem fragte es uns während der beiden Tage alle 10 Minuten, ob wir vielleicht auf Toilette müssen.

Auf dem Weg ins Hotel kamen wir an einem Auto vorbei, das mit einer Straßenbahn zusammengestoßen war. Jefgeni stellte dazu nur fest: "Tschechische Straßenbahn ist härter als japanisches Auto". Dann erzählte er, dass vor kurzem eine alte Dame mit ihrem Auto frontal in einen stehenden Bus gefahren sei und anschließend erklärte, sie habe den Bus nicht gesehen. Jefgeni fand das zum Totlachen. Wir fanden das auch witzig.

Im Hotel stellte sich heraus, dass in Moskau gerade die Eishockey-WM stattfand und zahlreiche Fans sowie einige Mannschaften (darunter auch die deutsche) in unserem Hotel wohnten. Beide Gruppen waren recht einfach zu unterscheiden: Die Fans trugen Trikots, die Spieler Badelatschen.

Tagsüber haben wir uns den Kremel und das Neujungfrauen-Kloster angesehen. Das Kloster war sehenswert und hatte, laut Jefgeni, auch wunderschöne Toiletten, die ich aber leider verpasst habe.

Jefgeni entpuppte sich als glühender Putin-Anhänger. Putin habe die Wirtschaft auf Kurs gebracht, das Chaos beendet und vor allem dem Mittelstand wieder Stabilität gegeben. Die Russen würden, so Jefgeni, jeden Politiker zum nächsten Präsidenten wählen, den Putin vorschlägt. Andauernd lese er in der Zeitung, dass es keine Pressefreiheit gäbe. Das sei doch Beleg dafür, dass es in Russland Pressefreiheit gibt. Ganz überzeugt waren wir nicht.

Am Nachmittag sind wir dann ohne Jefgeni in den Park der Errungenschaften der Volkswirtschaft gegangen. Es war Sonntag und die Sonne schien. Daher spazierten viele junge Russen durch den Park. Der Park bestand im Wesentlichen aus zwei großen asphaltierten Straßen an deren Seiten riesige Gebäude in stalinistischer Archtektur standen.

Park

Die Gebäude waren alle leer - nur in einem fand gerade ein Schönheitswettbewerb für Katzen statt. Am Ende der Straßen standen zwei Aeroflot-Flugzeuge und eine Weltraumkapsel. Alles zusammen zeigte wohl die Errungenschaften der Volkswirtschaft.

Park-der-Errungenschaften-der-Volkswirtschaft

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