Am Bahnhof wartete Jefgeni, der uns als Reiseführer zwei Tage Moskau zeigen würde. Jefgeni sah aus wie der junge Mel Brooks und sprach Deutsch mit einem schon fast stereotypen weichen russischen Akzent. Offenbar betreut Jefgeni normalerweise Deutsche, die auf Kosten der Pflegeversicherung nach Russland reisen. Jedenfalls erklaerte er uns detailliert, wie wir unsere Hoteltür aufschließen können, wo der Frühstücksraum im Hotel ist, wann wir essen können usw.. Außerdem fragte es uns während der beiden Tage alle 10 Minuten, ob wir vielleicht auf Toilette müssen.
Auf dem Weg ins Hotel kamen wir an einem Auto vorbei, das mit einer Straßenbahn zusammengestoßen war. Jefgeni stellte dazu nur fest: "Tschechische Straßenbahn ist härter als japanisches Auto". Dann erzählte er, dass vor kurzem eine alte Dame mit ihrem Auto frontal in einen stehenden Bus gefahren sei und anschließend erklärte, sie habe den Bus nicht gesehen. Jefgeni fand das zum Totlachen. Wir fanden das auch witzig.
Im Hotel stellte sich heraus, dass in Moskau gerade die Eishockey-WM stattfand und zahlreiche Fans sowie einige Mannschaften (darunter auch die deutsche) in unserem Hotel wohnten. Beide Gruppen waren recht einfach zu unterscheiden: Die Fans trugen Trikots, die Spieler Badelatschen.
Tagsüber haben wir uns den Kremel und das Neujungfrauen-Kloster angesehen. Das Kloster war sehenswert und hatte, laut Jefgeni, auch wunderschöne Toiletten, die ich aber leider verpasst habe.
Jefgeni entpuppte sich als glühender Putin-Anhänger. Putin habe die Wirtschaft auf Kurs gebracht, das Chaos beendet und vor allem dem Mittelstand wieder Stabilität gegeben. Die Russen würden, so Jefgeni, jeden Politiker zum nächsten Präsidenten wählen, den Putin vorschlägt. Andauernd lese er in der Zeitung, dass es keine Pressefreiheit gäbe. Das sei doch Beleg dafür, dass es in Russland Pressefreiheit gibt. Ganz überzeugt waren wir nicht.
Am Nachmittag sind wir dann ohne Jefgeni in den Park der Errungenschaften der Volkswirtschaft gegangen. Es war Sonntag und die Sonne schien. Daher spazierten viele junge Russen durch den Park. Der Park bestand im Wesentlichen aus zwei großen asphaltierten Straßen an deren Seiten riesige Gebäude in stalinistischer Archtektur standen.
Die Gebäude waren alle leer - nur in einem fand gerade ein Schönheitswettbewerb für Katzen statt. Am Ende der Straßen standen zwei Aeroflot-Flugzeuge und eine Weltraumkapsel. Alles zusammen zeigte wohl die Errungenschaften der Volkswirtschaft.

kkchan - 2. Jun, 05:22