Samstag, 26. Mai 2007

Ruski? Njet!

Die Ueberfahrt nach Helsinki war recht entspannt. Am Buffet schaufelten sich die russischen LKW-Fahrer bergeweise Krabben auf den Teller, im Restaurant sass neben uns eine Deutsche, die ununterbrochen geredet hat, waehrend ihr finnischer Mann nur hin und wieder zustimmend brummte, einige Finnen schwankten staerker als das Schiff und vor dem Kinder-Spielparadies hatte jemand 5 Bierpaletten gestapelt. Mehr passierte bis Finnland nicht.

Helsinki war vor allem eines: kalt, saukalt. In Deutschland waren es bei unserer Abfahrt noch 30 Grad, in Finnland lediglich 7. Schlimmer noch: Es wehte staendig ein starker Wind. Die Stadt fanden wir eher enttaeuschend. Ganz nett als Durchgangsstation, aber alleine sicherlich keine Reise wert. Die Kathedrale sah von aussen gut aus, war innen allerdings protestantisch langweilig. Es gab eine Luther-Statue, eine meditierende Spanierin und eine chinesische Reisegruppe, die es eilig hatte.

Am Abend steigen wir dann in den Nachtzug nach Moskau. Vor dem Eingang steht eine russische Zugbegleiterin, die muerrisch auf die Tickets starrt und uns dann mit einem kurzen Kopfnicken widerwillig in den Zug laesst. Wenige Minuten nach der Abfahrt hat sie ihre strenge Uniform gegen eine lockere Traininghose getauscht und verteilt die Einreiseformulare fuer Russland, die es nur in russischer Sprache gibt. Daher fragt sie uns: ruski? Wir sagen: niet. Sie wirft die Augen in den Himmel.

Nun wir koennen zwar kein Russisch, haben dafuer aber ein Transsib-Handbuch, in dem genau beschrieben ist, wie man die Formulare ausfuellt. Das Prozedere ist daher keine grosse Herausforderung. Nach einiger Zeit steckt die Zugbegleiterin ihren Kopf ins Abteil, sieht unsere ausgefuellten Formulare, straht glueckselig und murmelt etwas auf Russisch, das wir nicht verstehen, weil es nicht in unserem Transsib-Handbuch steht. Fortan ist sie auf unserer Seite und laechelt bei jeder Begegnung auf dem Korridor so herzlich, als wuerden wir uns schon seit Jahren kennen.

Die Grenzkontrollen sind locker. Die finnischen Beamten sagen zu meiner japanischen Frau arigato (danke). Die russischen Beamten koennen kein Japanisch, sind aber durchaus freundlich und verlangen keinerlei Bestechungsgelder. Nach der Grenze schlafen wir. Morgen wartet ein anstrengendes Besichtigungsprogramm in Moskau.

Freitag, 25. Mai 2007

Travemuende-Tokio: Bitte einsteigen

Wir sitzen im Faehrhafen von Travemuende und trinken Holsten. Vor uns liegen eine Ueberfahrt nach Helsinki, sechs Tage mit der transmongolischen Eisenbahn von Moskau durch den Ural, Sibirien
und die Wueste Gobi nach China, eine Woche Peking und Qingdao, einige Tage Korea und schliesslich die Ankunft in Japan. Vor uns steht jetzt aber erst einmal ein aelterer Herr, der nichts sagt, aber immer wieder hektisch auf unser Gepaeck zeigt. Wir machen uns Sorgen um seinen Geisteszustand. Wahrscheinlich ein Finne, den die Freude ueber die moderate Alkoholsteuer in Deutschland ueberwaeltigt hat. Ploetzlich verstehen wir, was er meint: Seit einiger Zeit piept mein Reisewecker tief in der Tasche und die anderen Passagiere sind bereits einigermassen genervt. Sanae wird spaeter erzaehlen, dass sich mein Gesicht rot gefaerbt hat. Ich werde das auf das Bier schieben. Wie auch immer: Es geht los. Drei Wochen um die halbe Welt und anschliessend ein Jahr in Tokio.

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