Montag, 6. August 2007

Tanz in Funabashi

Am Sonntag war ich als Blumenmädchen aktiv. Meine Schwiegermutter nimmt seit einem Jahr Tanzunterricht und hatte gestern ihren ersten großen Auftritt in Funabashi, einem dieser unzähligen gesichtslosen Vorstädte Tokios. Die ganze Veranstaltung erinnerte mich stark an einen Film von Aki Kaurismäki, was wohl daran lag, dass die Atmosphäre irgendwo auf der dünnen Linie zwischen niederschmetternd und hoch interessant bizarr lag. Das fing schon beim Gebäude an: Das Haus war von außen hellgrün angestrichen, innen mit dicken roten Teppichen und rosa Samt ausstaffiert, der Aufzug klapperte vor sich hin und alles wirkte wie eine drittklassige Pension in Osteuropa. Am Empfang saß ein Japaner, der aussah wie Elvis, aber sicherlich einige Jahre vor Elvis das Licht der Welt erblickt hatte. Auch die Teilnehmer der Tanzveranstaltung befanden sich vom Alter her irgendwo zwischen den Golden Girls und Methusalem.

Tanz

Nur eine einzige Tänzerin war ungefähr so alt wie wir und gewann daher folgerichtig den Preis als beste junge Teilnehmerin. Herzlichen Glückwunsch. Leider hatte sich die junge Dame offenbar nicht getraut, Freunde einzuladen. Vielleicht hatten sich die Bekannten auch erfolgreicher vor dem Besuch gedrückt als wir. Jedenfalls wurde meine Frau gebeten, der jungen Teilnehmerin nach dem Tanz einen Blumenstrauß zu überreichen.

Ich war von meiner Schwiegermutter bereits Wochen vorher als Blumenmädchen engagiert worden. Während Sanaes Mutter also von ihrem nerdigen Tanzlehrer über die Fläche gewirbelt wurde, mehrmals fast das Gleichgewicht verlor, sich dann aber immer wieder berappelte und weiter stürmte, musste ich den eigens bestellten Blumenstrauß aus der monströsen Verpackung zerren. Kaum war der Tanz vorüber, durfte ich hübsch zurechtgemacht im Anzug und mit ordentlich gekämmtem Haar im Blitzlichtgewitter auf die Tanzfläche eilen, die Blumen überreichen und mich tief verbeugen. Zum Schluss war dann Damenwahl. Gott sei Dank hatte Sanae mir das rechtzeitig übersetzt, so dass ich mit einem beherzten Sprint auf die Toilette entfliehen konnte.

Donnerstag, 19. Juli 2007

Fortschritt essen Rindshorn auf

Japaner unterzeichnen nicht handschriftlich, sondern mit einem Namensstempel, einem so genannten hanko. Weil Ausländer eigentlich überall per Hand unterzeichnen dürfen, hatte ich nicht vor, mir einen Namensstempel zu kaufen – bis zu dem Tag, an dem ich mein Konto eröffnet habe. Voller Zuversicht hatte ich der Postbank-Mitarbeiterin erklärt, dass ich keinen hanko besitze, woraufhin sie ein Handbuch auf den Tresen stemmte, das den Umfang eines Otto-Kataloges hatte. Dann blätterte sie und las und blätterte und las. Nach bestimmt 10 Minuten hob sie den Kopf. Die Falten auf ihrer Stirn zeugten vom großen Bedauern, das sie in diesen schweren Minuten quälte. Mit leiser Stimme erklärte sie: Ja, man könne auch handschriftlich den Vertrag unterzeichnen, aber…. Das Problem habe ich ehrlich gesagt nicht ganz verstanden. Es war jedoch klar, dass ein Kompromiss her musste. Der sah dann so aus, dass meine Frau mit ihrem Namensstempel für mich unterzeichnet hat und ich versprechen musste, eines Tages mit meinem eigenen hanko wiederzukommen. Eine Frist wurde nicht vereinbart. Ich hätte wahrscheinlich auch in 30 Jahren wiederkommen können – es war eben ein echter japanischer Kompromiss.

Als pflichtbewusster Deutscher bin ich aber dennoch sofort in den nächsten hanko-Laden marschiert, um mir einen aus schwarzem Rindshorn gefertigten Namensstempel zu kaufen. Eingraviert ist mein Name in Katakana, also in japanischen Schriftzeichen, die speziell für ausländische Wörter verwendet werden. Nach zwei Wochen war der Stempel fertig. Mitsamt meinem neuen hanko bin ich nun gestern stolz zurück zur Postbank gegangen, wo mir erklärt wurde, das mit dem hanko sei gut und schön – aber nicht sonderlich sicher. Daher habe man mittlerweile ein biometrisches Erkennungsverfahren eingeführt. Ich solle lediglich meinen Daumen einscannen lassen und in Zukunft müsse ich dann nur noch meine Hand und meine EC-Karte mitbringen, um die Geldgeschäfte zu erledigen.


Mein Namensstempel mit Etui und rotem Stempelkissen

Nun gut, dachte ich, der Fortschritt hatte mein schönes Rindshorn also bereits überflüssig werden lassen – aber immerhin kann ich künftig dem Postboten den Erhalt wichtiger Briefe mit meinem Namensstempel quittieren. Aber es kam anders, denn der Fortschritt hat bekanntlich seine Tücken. Ich wurde angewiesen, meinen Daumen auf einen Sensor zu halten bis die grüne Lampe aufleuchtete. Es blinkte aber immer nur die rote Lampe. Also kam eine zweite Mitarbeiterin, korrigierte meine Daumenhaltung. Rote Lampe. Andere Daumenposition. Rote Lampe. Meine Frau hatte auch einige Tipps. Rote Lampe. Während zwei Mitarbeiterinnen und meine Frau damit beschäftigt waren, meinen Daumen auszurichten, tauchte neben mir ein steinalter Mann auf und beschwerte sich, dass ich den ganzen Betrieb aufhalten würde. Daraufhin habe ich erklärt, ich würde später noch mal wiederkommen. Eine Frist wurde nicht vereinbart – vielleicht komme ich in 30 Jahren wieder.

Dienstag, 10. Juli 2007

Physalis und Milkyway

Am Montag war ich mit Sanae auf einem Volksfest im Sensoji Tempel im Tokioter Stadtteil Asakusa. Es heißt, wer am 9. oder 10. Juli im Sensoji Tempel betet, hat im Leben so viel Glück, als habe er 46.000 Mal den Tempel besucht – also ein lukratives Angebot. Bevor wir zum Tempel gefahren sind, ereignete sich aber noch ein Missverständnis, das beinahe selbst den weißen Neger Wumbaba erblassen ließ: Das Festival heißt auf Englisch „Ground Cherry Fair“. Ich fragte also meine Frau, wann wir zum Ground Cherry Fair fahren würden, aber sie verstand „Round shaped Bear“ und für eine Weile herrschte pure Verwirrung.

Sensoji
Im Tempelgebäude

Das Festival und der Tempel waren sehr beeindruckend. Rund um den Tempel wurden Physalis-Pflanzen verkauft, die böse Geister fernhalten sollen. Die Verkäufer priesen die Pflanzen lautstark an und trugen dabei traditionelle Kleidung, die mich auf den ersten Blick eher an lange Skiunterhosen erinnerte. Viele junge Besucher waren in leichten Sommer-Kimono, so genannten Yukatas, gekleidet. Die Yukatas sind seit einigen Jahren gerade bei Japans Jugend und gerade während der Volksfeste wieder sehr beliebt. Zu Essen gab es an vielen Ständen traditionelle Süßigkeiten, Mehlpfannekuchen mit Kohl, so genannte Okonomiyaki – und Döner Kebap, so viel Globalisierung muss wohl sein.

Blumenverkauf
Blumenverkäufer

Fischverkauf
Kinder kaufen Fische

Ich hatte noch eine kleine Extraaufgabe zu erledigen: Zwei Kunststudentinnen wollten ein virtuelles Festival erschaffen und von mir als Ausländer wissen, was ich denn zu dem Fest beizusteuern hätte. Nachdem ich alles vollkommen unleserlich mit Wachsmalstiften auf ein winziges Blatt Papier geschrieben hatte wurde ich samt meiner Aufzeichnungen fotografiert und hänge nun vermutlich in irgendeiner dunklen Ecke einer Kunst-Fakultät – bis mich der Hausmeister eines Tages kopfschüttelnd entsorgt.

Betende
Abseits der Menschenmassen

Einige Straßen vom Tempelgelände entfernt hingen an den Laternen noch die Überreste eines anderen Festivals – des Shitamachi Tanabata Matsuri. Während des Festivals muss es ziemlich hoch her gegangen sein. Straßen und die Verkäufer sahen jedenfalls ungefähr so aus wie die Kölner Altstadt nach dem Rosenmontagszug. Das Festival wird zu Ehren des Sterns Vega abgehalten, weshalb am Straßenrand große Laternen aufgehängt wurden, die wie die Milchstraße aussehen sollen. (Dafür gibt es bestimmt eine kluge Erklärung, nur kenne ich sie nicht.) Während des Tanabata-Festivals können Kinder ihre Wünsche auf einen Zettel schreiben und das Blatt dann an einen Bambusstab hängen. Ein Kind hatte sich gewünscht, bessere Noten zu haben. Wie traurig.

Tanabata2
Laternen des Tanabata-Festivals

Tanabata
Wunschkarten der Kinder

Fußball in der Sommerpause

Seit Samstag läuft der Asian Cup – das asiatische Pendant zur Fußball-EM. Lange Zeit dachte ich, außer mir würde sich hier niemand für den Wettbewerb interessieren: Die Zeitungen brachten in den vergangenen Wochen maximal einen Artikel pro Tag und im Fernsehen wurde das Thema vollkommen ignoriert. Selbst der japanische Verband zeigte kein Interesse. In der J-League wurde bis zum vergangenen Wochenende noch gespielt und die Mannschaft ist als Titelverteidiger erst am Mittwoch nach Vietnam geflogen, wo die Gruppenspiele Japans ausgetragen werden. Japans Nationaltrainer Ivica Osim, bekannt für seine ruppige, zynische Art, ist denn auch seit Wochen entsprechend verärgert. Die Haltung des Verbandes sei arrogant, seine Spieler müde und die kritischen japanischen Journalisten sollten mal versuchen, seinen Job besser zu machen.

Auch Takahara, der nach dem Rücktritt von Nakata und der guten Saison bei Frankfurt der große Hoffnungsträger ist, klang in den vergangenen Wochen nicht gerade wie vom Asian Cup besessen. Man wolle den Wettbewerb gewinnen, um sich für den nächsten Confederations Cup zu qualifizieren! Confederations Cup? Ich dachte immer, jeder Profi wolle dieses bedeutungslose Schaulaufen um jeden Preis vermeiden (vielleicht außer Poldi und Schweini). Andererseits war das Unentschieden im Müngersdorfer Stadion gegen Brasilien während des letzten Confederations Cup der bislang letzte Höhepunkt der japanischen Nationalmannschaft.

Wie auch immer – das erste Spiel am gestrigen Abend gegen Katar verlief jedenfalls genauso wie die Vorbereitungen vermuten ließ: Viel Kleinklein, um es mal im Reporterdeutsch auszudrücken. Die Mannschaft spielte langsam, ließ Katar zu viel Platz, hatte kaum Ideen und kam nur durch Zufall in der 60. Minute zum Führungstreffer durch Takahara. Nach einem völlig überflüssigen Foul an der Strafraumgrenze konnte Katar in der 85. Minute ausgleichen. Am Freitag geht es weiter mit dem Spiel Japan gegen Vietnam. Was man sich fern der Bundesliga nicht so alles anschaut.

Montag, 2. Juli 2007

Dörfliches Tokio

Meine Frau hat in der Volkshochschule von Köln mal erzählt, dass die meisten Häuser in Tokio Einfamilien-Häuser sind, was ihre Mitschüler schlichtweg für Unsinn hielten. Ich kann den Deutschschülern der Kölner VHS nun versichern: Es stimmt! In Tokio gibt es wirklich erstaunlich viele Einfamilienhäuser und manche Stadtviertel haben einen geradezu dörflichen Charakter. Vor einiger Zeit war ich zum Beispiel im Stadtteil Tsukishima nahe des bekannten Fischmarktes Tsukiji. In dem Viertel stehen fast nur kleine Einfamilienhäuser aus Holz dicht nebeneinander. Von den Balkonen hing die nasse Wäsche herunter und auf den engen Gassen aßen die Bewohner an langen Tischen vor ihren Häusern Fisch mit Reis.

Tsukijima1
Mitten in Tokio: Tsukishima

Eine ähnliche Atmosphäre herrscht im Stadtteil Kichijyogi, wo meine Frau aufgewachsen ist (und wo man in einem Yakitori-Lokal Kölsch trinken kann, aber das nur am Rande). Rund um die Bahnstation Kichijyogi verkaufen kleine uralte Geschäfte, Miso, geräucherten Fisch und traditionelle Süßigkeiten. Alte Frauen fegen seelenruhig den Bürgersteig und Nachbarn halten über den Gartenzaun hinweg ein kleines Schwätzchen.

Tsukijima2
Gasse in Tsukishima

Sonntag, 24. Juni 2007

Die fetten Jahre sind vorbei

Automaten
Getränkeautomaten in der Nachbarschaft

Freitag, 22. Juni 2007

Erstes Spiel, schon scheiße

"Erster Pass, schon scheiße", hat der große Fußballlehrer Steppi Stepanovic mal gesagt. Ich kann nun hinzufügen: Erstes Spiel, schon scheiße. Dabei hatte alles gut angefangen. Die Sonne schien, das Stadion von JEF United Chiba war ausverkauft und wir standen mitten in der Fankurve. Vor dem Spiel hatte ich 10 Minuten in dichten Grillrauch-Schwaden verbracht, um Spare Ribs zu kaufen. Die Portion entsprach einem halben Schwein, war auch genauso teuer und hätte ausgereicht, um eine japanische Durchschnittsfamilie einen Tag lang zu ernähren. In der linken Hand ein Bier, in der rechten Hand die Spare Rips konnten wir dann nach 5 Minuten das erste Tor gegen den Tabellenführer Gamba Osaka bejubeln. Danach schleppte sich das Spiel so dahin. In der zweiten Hälfte glich Osaka kurz nach Wiederanpfiff aus und bekam in der 90. Minute einen Freistoß an der Straufraumgrenze zugesprochen. Es kam, was kommen musste. Der dämliche Keeper spekulierte, der Ball segelte in die Torwartecke und JEF UNited rutschte auf einen Abstiegsplatz. In diesem Moment wurde mir klar, dass mir rund 12.000 Kilometer von Müngersdorf entfernt die gleiche miese Saison bevorstand wie zuhause - immerhin ein Stück Vertrautheit.

Chiba
2 Stunden vor Spielbeginn: Die Stimmung steigt

Auf der Toilette habe ich dann noch einem anderen Fan erzählt, dass ich aus Köln komme (er fragte danach). Daraufhin begann eine nicht enden wollende Lobhudelei auf Littbarski, der früher mal für JEF United gespielt hat. Ein zweites Stück Gemeinsamkeit.

Yanagawa

Am letzten Tag auf Kyushu sind wir nach Yanagawa gefahren, das bekannt ist für seine vielen kleinen Kanäle. Ehrlich gesagt habe ich schon schönere Kanäle gesehen, aber die Sonne schien und unser Bootsführer war 75 Jahre alt. Den Job machte er seit 35 Jahren und seitdem riss er wahrscheinlich auch die immer gleichen Witze, die allerdings wirklich lustig waren - (soweit ich das verstehen konnte). Auf der Fahrt durch die Kanäle gab es Bier und der Bootsführer erzählte, dass eines Tages ein Japaner dreimal hintereinander aus dem Boot gefallen sei, weil er so betrunken war. Das passierte uns nicht, wehalb wir am Nachmittag mit guter Laune und trockener Kleidung in den Shinkansen steigen konnten, um nach Tokio zu fahren.

Boot
Bootsführer

Yanagawa
Yanagawa

Höhepunkt der Fahrt war mein o-bento. Ein o-bento ist eine Art Lunchpaket deluxe. Jede Region in Japan hat ihre eigenen o-bentos in die die lokalen Spezialitäten verpackt werden. Kauft man ein o-bento im Bahnhof, heißt es eki-bento - also Bahnhofsbento. Ende des VHS-Teils.

Obento
Eki-Bento von Kyushu

Die Fahrt ging vorbei an den wichtigsten touristischen Höhepunkten Japans: Hiroshima, Osaka, Kyoto und zum Schluss konnten wir den Fuji sehen. Allerdings klebten schon nach wenigen Sekunden alle Japaner verzückt an der Fensterscheibe. Weil ich nicht so reaktionsschnell war, konnte ich leider kein Foto vom Fuji machen. Ich kann aber sagen, dass der Fuji ein wirklich sehr schöner und beeindruckender Berg ist und ich die Begeisterung der Japaner gut verstehe.

Mittwoch, 20. Juni 2007

Kyushu

2. Tag auf Kyushu: Ausflug nach Hita

Hita war früher direkt dem Shogunat in Tokio bzw. Edo unterstellt, weshalb die Stadt recht wohlhabend war. Da sie im zweiten Weltkrieg nicht bombardiert wurde, stehen noch viele Häuser aus dieser Zeit:

Tempel in Hita

Hita

Wieder zurück in Hakata, haben wir abends an einem der unzähligen Essensstände gegessen, für die Hakata bekannt ist.

Yatai

Hakata

Samstag, 16. Juni 2007

Tote Rehe und weiße Stöckelschuhe

Unsere Fähre nach Japan war klein, sehr klein. Und die Wellen waren groß, größer als unsere Fähre. Zum Glück war unsere Fähre ein Tragflügelboot, das über die Wellen drüber glitt - sollte es jedenfalls. Zudem hatte es elektronische Stabilisatoren. So ganz haben die Japaner ihrer Fähre aber selber nicht getraut, denn während der gesamten 3-stündigen Überfahrt sollte man angeschnallt bleiben. Wegen der Stabilisatoren schaukelte das Boot nicht gleichmäßig hoch und runter, sondern völlig unvermittelt hin und her, hoch und runter, kreuz und quer. Im TV lief ein amerikanischer schwarz-weiß Heimatfilm der Marke "Meine kleine Farm". Ein kleiner Junge hatte sich mit einem Reh angefreundet, das er zum Schluss erschießen mussten. Dazu klatschten andauernd geräuschvoll hohe Welle gegen den Rumpf des Schiffes und wir ruckelten Richtung Japan.

Beetle
Liebling, ich habe die Fähre geschrumpft

In Japan waren wir die letzten, die an der Grenzkontrolle die Pässe vorzeigten. Die Beamten hatten jetzt genügend Zeit, um uns ihre gesamte Aufmerksamkeit zu schenken. Immer wieder musste ich bestätigen, dass Sanae meine Ehefrau ist. Ja genau, die da drüben. Ja, wir sind verheiratet. Den Typen wollten sich die Grenzbeamten dann mal genauer ansehen. Ich musste die Taschen ausleeren, die Koffer öffnen und meine Schuhe ausziehen. Ich weiß nicht, ob es an meinen Socken lag, jedenfalls wurde mein Visum spontan auf drei Jahre verlängert. Arigato. Vielen Dank.

Der erste Japaner, den ich vor dem Hafengebäude gesehen habe, war ein etwa 50-jähriger Mann auf weißen Stöckelschuhen, im weißen Minirock mit der dazu passenden weißen Handtasche. Willkommen im Land der Konformität.

Kartoffelschnaps in Korea

Am nächsten Tag sind wir in die Provinz gefahren. Nach 2 Stunden im Zug und einer recht abenteuerlichen Fahrt mit einem Linienbus durchs Gebirge kamen wir am Bulguksa Tempel an. Der Tempel war sehr schön, Sanae fand allerdings die bunten Papierlampen, die überall hingen, unpassend. Wir waren fast die einzigen Besucher. Zu hören war lediglich ein Mönch, der sehr verärgert am Handy jemanden zusammenstauchte, in seinen riesigen Toyotajeep stieg und davonfuhr.

Bulguksatempel
Bulguksatempel

Bulguksatempel2
Bulguksatempel

Tor im Bulguksatempel
Tor im Bulguksatempel

Danach haben wir uns noch die Seokgulam Grotte angesehen, in der eine aus Stein gefertigte 2 Meter hohe Buddhastatue stand. Angesichts der langen Anfahrt vom Tempel bis zur Grotte fand ich das ein bisschen wenig. Allerdings zog ein Unwetter auf und der Nebel verlieh der Umgebung eine sehr schöne Stimmung.

Nebel vor Seokgulam Grotte
Glocke vor der Seokgulam Grotte

Nebel an der Seokgulam Grotte
Seokgulam Grotte im Nebel

Am Abend waren wir in Busan in einem Restaurant, das die billigere Ausgabe des Restaurants vom Vortag war - d.h. es gab nur Bulkogi und die Qualität war etwas geringer. Dafür herrschte eine sehr lebendige Stimmung. Die Koreaner an den Nachbartischen waren alle komplett betrunken, hatten rote Gesichter, fuchtelten mit den Armen und diskutierten lautstark. Das wollten wir auch. Wir zeigten auf die Flasche, die auf dem Nebentisch stand, die Kellnerin verschwand und kam mit einer Flasche voll mit hochprozentigem Kartoffelschnaps wieder. Nachdem wir die Flasche geleert hatten, war ich nicht so sicher, ob das die optimale Vorbereitung auf die Fährfahrt am nächsten Tag war. Aber im Grunde war mir auch alles egal.

Bulkogi in Busan

Im Fährhafen von Incheon mussten wir uns erstmal vor eine Kamera stellen, die unsere Körpertemperatur gemessen hat. Der Arzt befand uns für gesund und wir durften weiter zur Passkontrolle. Der koreanische Grenzbeamte sagte auf Deutsch: "Guten Tag" und dann auf Englisch: "You can stay." Für einen Moment schauten wir uns an, berauscht von der kosmopolitischen Großzügigkeit dieses einfachen Grenzbeamten. Ich hatte schon die Sorge, er würde noch hinter seinem Schalter herkommen und mich ganz fest an sich drücken. Das blieb mir aber erspart.

In der S-Bahn nach Seoul war dann ein älterer Mann, der neben mir saß, schwer beeindruckt von meinem Rollkoffer. Immer wieder streichelte er liebevoll über den Koffer, blickte mich versonnen an und nickte bewundernd. Den Koffer hatte ich für umgerechnet 20 Euro in Peking gekauft und für mich sieht er aus wie ein billiger stinknormaler Rollkoffer. Aber vielleicht ist es auch eine besonderds schöne Massenanfertigung aus der Hu Jintao Dynastie.

Pusan
Busan am Abend

Von Seoul ging es mit dem Schnellzug (einem französischen TGV) nach Busan an der Südküste von Korea. Am Abend haben wir in einem traditionellen koreanischen Restaurant gegessen, das wir zufällig in einer kleinen Seitenstraße entdeckt hatten. Wir knieten auf dem Boden vor einem kleinen Tisch. Auf der Speiskarte konnte man nur zwischen drei verschiedenen Rindfleischsorten wählen und ich dachte schon: Nur Rind ist aber ein wenig langweilig. Nachdem wir bestellt hatten (Rind), tippelten dann aber unaufhörlich in traditionellen Gewändern gekleidete Kellnerinnen rein und brachten nacheinander bestimmt 40 kleine Speisen: verschiedene Gemüsesorten, Fleisch, Fisch. Alle waren mit Chilli gewürzt - manche weniger, manche mehr, einige sehr viel mehr. Das Fleisch wurde in der Mitte des Tisches auf einem kleinen Grill gebraten. Hin und wieder schnitt eine Kellnerin das Fleisch mit einer gewöhnlichen Haushaltsschere in kleine Stücke und gab genaue Anweisungen in welche Soße wir die Stücke tauchen sollten und in welche Salatblätter alles gewickelt werden sollte. Das Ganze nannte sich Bulkogi - und wer es mal probieren möchte, sollte ins Kölner Restaurant Shilla gehen (oder nach Korea fahren).

Essen in  Pusan
Bulkogi

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Kinkakuji in Kyoto
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