Samstag, 16. Juni 2007

Tote Rehe und weiße Stöckelschuhe

Unsere Fähre nach Japan war klein, sehr klein. Und die Wellen waren groß, größer als unsere Fähre. Zum Glück war unsere Fähre ein Tragflügelboot, das über die Wellen drüber glitt - sollte es jedenfalls. Zudem hatte es elektronische Stabilisatoren. So ganz haben die Japaner ihrer Fähre aber selber nicht getraut, denn während der gesamten 3-stündigen Überfahrt sollte man angeschnallt bleiben. Wegen der Stabilisatoren schaukelte das Boot nicht gleichmäßig hoch und runter, sondern völlig unvermittelt hin und her, hoch und runter, kreuz und quer. Im TV lief ein amerikanischer schwarz-weiß Heimatfilm der Marke "Meine kleine Farm". Ein kleiner Junge hatte sich mit einem Reh angefreundet, das er zum Schluss erschießen mussten. Dazu klatschten andauernd geräuschvoll hohe Welle gegen den Rumpf des Schiffes und wir ruckelten Richtung Japan.

Beetle
Liebling, ich habe die Fähre geschrumpft

In Japan waren wir die letzten, die an der Grenzkontrolle die Pässe vorzeigten. Die Beamten hatten jetzt genügend Zeit, um uns ihre gesamte Aufmerksamkeit zu schenken. Immer wieder musste ich bestätigen, dass Sanae meine Ehefrau ist. Ja genau, die da drüben. Ja, wir sind verheiratet. Den Typen wollten sich die Grenzbeamten dann mal genauer ansehen. Ich musste die Taschen ausleeren, die Koffer öffnen und meine Schuhe ausziehen. Ich weiß nicht, ob es an meinen Socken lag, jedenfalls wurde mein Visum spontan auf drei Jahre verlängert. Arigato. Vielen Dank.

Der erste Japaner, den ich vor dem Hafengebäude gesehen habe, war ein etwa 50-jähriger Mann auf weißen Stöckelschuhen, im weißen Minirock mit der dazu passenden weißen Handtasche. Willkommen im Land der Konformität.

Kartoffelschnaps in Korea

Am nächsten Tag sind wir in die Provinz gefahren. Nach 2 Stunden im Zug und einer recht abenteuerlichen Fahrt mit einem Linienbus durchs Gebirge kamen wir am Bulguksa Tempel an. Der Tempel war sehr schön, Sanae fand allerdings die bunten Papierlampen, die überall hingen, unpassend. Wir waren fast die einzigen Besucher. Zu hören war lediglich ein Mönch, der sehr verärgert am Handy jemanden zusammenstauchte, in seinen riesigen Toyotajeep stieg und davonfuhr.

Bulguksatempel
Bulguksatempel

Bulguksatempel2
Bulguksatempel

Tor im Bulguksatempel
Tor im Bulguksatempel

Danach haben wir uns noch die Seokgulam Grotte angesehen, in der eine aus Stein gefertigte 2 Meter hohe Buddhastatue stand. Angesichts der langen Anfahrt vom Tempel bis zur Grotte fand ich das ein bisschen wenig. Allerdings zog ein Unwetter auf und der Nebel verlieh der Umgebung eine sehr schöne Stimmung.

Nebel vor Seokgulam Grotte
Glocke vor der Seokgulam Grotte

Nebel an der Seokgulam Grotte
Seokgulam Grotte im Nebel

Am Abend waren wir in Busan in einem Restaurant, das die billigere Ausgabe des Restaurants vom Vortag war - d.h. es gab nur Bulkogi und die Qualität war etwas geringer. Dafür herrschte eine sehr lebendige Stimmung. Die Koreaner an den Nachbartischen waren alle komplett betrunken, hatten rote Gesichter, fuchtelten mit den Armen und diskutierten lautstark. Das wollten wir auch. Wir zeigten auf die Flasche, die auf dem Nebentisch stand, die Kellnerin verschwand und kam mit einer Flasche voll mit hochprozentigem Kartoffelschnaps wieder. Nachdem wir die Flasche geleert hatten, war ich nicht so sicher, ob das die optimale Vorbereitung auf die Fährfahrt am nächsten Tag war. Aber im Grunde war mir auch alles egal.

Bulkogi in Busan

Im Fährhafen von Incheon mussten wir uns erstmal vor eine Kamera stellen, die unsere Körpertemperatur gemessen hat. Der Arzt befand uns für gesund und wir durften weiter zur Passkontrolle. Der koreanische Grenzbeamte sagte auf Deutsch: "Guten Tag" und dann auf Englisch: "You can stay." Für einen Moment schauten wir uns an, berauscht von der kosmopolitischen Großzügigkeit dieses einfachen Grenzbeamten. Ich hatte schon die Sorge, er würde noch hinter seinem Schalter herkommen und mich ganz fest an sich drücken. Das blieb mir aber erspart.

In der S-Bahn nach Seoul war dann ein älterer Mann, der neben mir saß, schwer beeindruckt von meinem Rollkoffer. Immer wieder streichelte er liebevoll über den Koffer, blickte mich versonnen an und nickte bewundernd. Den Koffer hatte ich für umgerechnet 20 Euro in Peking gekauft und für mich sieht er aus wie ein billiger stinknormaler Rollkoffer. Aber vielleicht ist es auch eine besonderds schöne Massenanfertigung aus der Hu Jintao Dynastie.

Pusan
Busan am Abend

Von Seoul ging es mit dem Schnellzug (einem französischen TGV) nach Busan an der Südküste von Korea. Am Abend haben wir in einem traditionellen koreanischen Restaurant gegessen, das wir zufällig in einer kleinen Seitenstraße entdeckt hatten. Wir knieten auf dem Boden vor einem kleinen Tisch. Auf der Speiskarte konnte man nur zwischen drei verschiedenen Rindfleischsorten wählen und ich dachte schon: Nur Rind ist aber ein wenig langweilig. Nachdem wir bestellt hatten (Rind), tippelten dann aber unaufhörlich in traditionellen Gewändern gekleidete Kellnerinnen rein und brachten nacheinander bestimmt 40 kleine Speisen: verschiedene Gemüsesorten, Fleisch, Fisch. Alle waren mit Chilli gewürzt - manche weniger, manche mehr, einige sehr viel mehr. Das Fleisch wurde in der Mitte des Tisches auf einem kleinen Grill gebraten. Hin und wieder schnitt eine Kellnerin das Fleisch mit einer gewöhnlichen Haushaltsschere in kleine Stücke und gab genaue Anweisungen in welche Soße wir die Stücke tauchen sollten und in welche Salatblätter alles gewickelt werden sollte. Das Ganze nannte sich Bulkogi - und wer es mal probieren möchte, sollte ins Kölner Restaurant Shilla gehen (oder nach Korea fahren).

Essen in  Pusan
Bulkogi

Aktuelle Beiträge

Du Arschkind
Beleidige mich net so du angeber mit scheißsoße obendrauf...
Koshi (Gast) - 8. Feb, 09:24
Dummkopf
Koshi oder wie du heißt da versthest du abr einen scheiß...
Coolmaster (Gast) - 8. Feb, 09:21
Japanisch
ich möchte gerne japanisch auf meinen computer haben
koshi (Gast) - 8. Feb, 09:20
Fujisan
kkchan - 19. Jan, 10:51
Kinkakuji
Kinkakuji in Kyoto
kkchan - 19. Jan, 10:47

Playlist

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Suche

 

Status

Online seit 6955 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 8. Feb, 09:24

Alltag
China
Kyushu
Tokio
Transsib
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren