Dienstag, 10. Juli 2007

Physalis und Milkyway

Am Montag war ich mit Sanae auf einem Volksfest im Sensoji Tempel im Tokioter Stadtteil Asakusa. Es heißt, wer am 9. oder 10. Juli im Sensoji Tempel betet, hat im Leben so viel Glück, als habe er 46.000 Mal den Tempel besucht – also ein lukratives Angebot. Bevor wir zum Tempel gefahren sind, ereignete sich aber noch ein Missverständnis, das beinahe selbst den weißen Neger Wumbaba erblassen ließ: Das Festival heißt auf Englisch „Ground Cherry Fair“. Ich fragte also meine Frau, wann wir zum Ground Cherry Fair fahren würden, aber sie verstand „Round shaped Bear“ und für eine Weile herrschte pure Verwirrung.

Sensoji
Im Tempelgebäude

Das Festival und der Tempel waren sehr beeindruckend. Rund um den Tempel wurden Physalis-Pflanzen verkauft, die böse Geister fernhalten sollen. Die Verkäufer priesen die Pflanzen lautstark an und trugen dabei traditionelle Kleidung, die mich auf den ersten Blick eher an lange Skiunterhosen erinnerte. Viele junge Besucher waren in leichten Sommer-Kimono, so genannten Yukatas, gekleidet. Die Yukatas sind seit einigen Jahren gerade bei Japans Jugend und gerade während der Volksfeste wieder sehr beliebt. Zu Essen gab es an vielen Ständen traditionelle Süßigkeiten, Mehlpfannekuchen mit Kohl, so genannte Okonomiyaki – und Döner Kebap, so viel Globalisierung muss wohl sein.

Blumenverkauf
Blumenverkäufer

Fischverkauf
Kinder kaufen Fische

Ich hatte noch eine kleine Extraaufgabe zu erledigen: Zwei Kunststudentinnen wollten ein virtuelles Festival erschaffen und von mir als Ausländer wissen, was ich denn zu dem Fest beizusteuern hätte. Nachdem ich alles vollkommen unleserlich mit Wachsmalstiften auf ein winziges Blatt Papier geschrieben hatte wurde ich samt meiner Aufzeichnungen fotografiert und hänge nun vermutlich in irgendeiner dunklen Ecke einer Kunst-Fakultät – bis mich der Hausmeister eines Tages kopfschüttelnd entsorgt.

Betende
Abseits der Menschenmassen

Einige Straßen vom Tempelgelände entfernt hingen an den Laternen noch die Überreste eines anderen Festivals – des Shitamachi Tanabata Matsuri. Während des Festivals muss es ziemlich hoch her gegangen sein. Straßen und die Verkäufer sahen jedenfalls ungefähr so aus wie die Kölner Altstadt nach dem Rosenmontagszug. Das Festival wird zu Ehren des Sterns Vega abgehalten, weshalb am Straßenrand große Laternen aufgehängt wurden, die wie die Milchstraße aussehen sollen. (Dafür gibt es bestimmt eine kluge Erklärung, nur kenne ich sie nicht.) Während des Tanabata-Festivals können Kinder ihre Wünsche auf einen Zettel schreiben und das Blatt dann an einen Bambusstab hängen. Ein Kind hatte sich gewünscht, bessere Noten zu haben. Wie traurig.

Tanabata2
Laternen des Tanabata-Festivals

Tanabata
Wunschkarten der Kinder

Fußball in der Sommerpause

Seit Samstag läuft der Asian Cup – das asiatische Pendant zur Fußball-EM. Lange Zeit dachte ich, außer mir würde sich hier niemand für den Wettbewerb interessieren: Die Zeitungen brachten in den vergangenen Wochen maximal einen Artikel pro Tag und im Fernsehen wurde das Thema vollkommen ignoriert. Selbst der japanische Verband zeigte kein Interesse. In der J-League wurde bis zum vergangenen Wochenende noch gespielt und die Mannschaft ist als Titelverteidiger erst am Mittwoch nach Vietnam geflogen, wo die Gruppenspiele Japans ausgetragen werden. Japans Nationaltrainer Ivica Osim, bekannt für seine ruppige, zynische Art, ist denn auch seit Wochen entsprechend verärgert. Die Haltung des Verbandes sei arrogant, seine Spieler müde und die kritischen japanischen Journalisten sollten mal versuchen, seinen Job besser zu machen.

Auch Takahara, der nach dem Rücktritt von Nakata und der guten Saison bei Frankfurt der große Hoffnungsträger ist, klang in den vergangenen Wochen nicht gerade wie vom Asian Cup besessen. Man wolle den Wettbewerb gewinnen, um sich für den nächsten Confederations Cup zu qualifizieren! Confederations Cup? Ich dachte immer, jeder Profi wolle dieses bedeutungslose Schaulaufen um jeden Preis vermeiden (vielleicht außer Poldi und Schweini). Andererseits war das Unentschieden im Müngersdorfer Stadion gegen Brasilien während des letzten Confederations Cup der bislang letzte Höhepunkt der japanischen Nationalmannschaft.

Wie auch immer – das erste Spiel am gestrigen Abend gegen Katar verlief jedenfalls genauso wie die Vorbereitungen vermuten ließ: Viel Kleinklein, um es mal im Reporterdeutsch auszudrücken. Die Mannschaft spielte langsam, ließ Katar zu viel Platz, hatte kaum Ideen und kam nur durch Zufall in der 60. Minute zum Führungstreffer durch Takahara. Nach einem völlig überflüssigen Foul an der Strafraumgrenze konnte Katar in der 85. Minute ausgleichen. Am Freitag geht es weiter mit dem Spiel Japan gegen Vietnam. Was man sich fern der Bundesliga nicht so alles anschaut.

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